Kurz erzählt

Es lebte einmal eine wunderschöne Königstochter, deren liebstes Spielwerk ein goldener Ball war. Nun trug es sich eines Tages zu, dass die goldene Kugel in den Brunnen fiel. Da fing sie an zu weinen, und wie sie so klagte, tauchte ein Frosch mit einem dicken, hässlichen Kopf aus dem Wasser auf. „Ich kann wohl Rat schaffen,“ bot der Frosch an, „aber was gibst du mir, wenn ich dein Spielwerk wieder bringe?“

Da bot ihm die Königstochter an, was sie nur alles hatte, aber der Frosch wollte keine Perlen und Edelsteine. „Wenn du versprichst, dass du mich liebhaben willst, dass ich dein Geselle sein darf, an deinem Tischlein neben dir sitzen, von deinem goldenen Tellerlein essen, aus deinem Becherlein trinken und in deinem Bettlein schlafen darf, so will ich dir die goldene Kugel wieder heraufholen,“ versprach der Frosch. Die Königtochter sagte ihm all das zu, und der Frosch tauchte den goldenen Ball aus dem Brunnen. Die Königstochter war voll Freude, nahm die Kugel und lief damit zurück ins Schloss und hatte schon bald den armen Frosch vergessen.

Kaum hatte sie sich anderntags mit ihrem Vater, dem König, zur Tafel gesetzt, kam der Frosch die Marmortreppe heraufgekrochen und klopfte an der Tür. Als die Prinzessin sah, dass es der Frosch war, warf sie die Tür hastig wieder zu, setzte sich an den Tisch, und ihr wurde angst und bang. Schließlich erzählte sie dem König, was sich beim Brunnen zugetragen hatte. Da sagte dieser: „Was du versprochen hast, das musst du auch halten. Geh nur und mach ihm auf!“

So öffnete sie die Türe, und der Frosch hüpfte herein, und als er erst einmal auf dem Stuhl war, wollte er auch auf den Tisch hinauf, und als er auch das erreicht hatte, begehrte er, aus ihrem Tellerchen zu essen. Nach dem Mahl hieß er die Königstochter, ihn in ihr Kämmerlein zu tragen. Die Prinzessin fing an zu weinen und ekelte sich vor dem kalten Frosch. Aber sie konnte nicht aus. Also packte sie ihn mit zwei Fingern, trug ihn hinauf und setzte ihn in eine Ecke. Als sie aber im Bett lag, kam er gekrochen und sprach: „Ich bin müde, ich will schlafen so gut wie du. Heb mich herauf, oder ich sag’s deinem Vater!“ Da ward sie erst bitterböse, holte ihn aber dann doch herauf und warf ihn aber ganz plötzlich mit aller Kraft wider die Wand.

„Nun wirst du Ruhe geben, du garstiger Frosch.“

Als er aber von der Wand herabfiel, war er kein Frosch mehr, sondern ein Königssohn mit schönen und freundlichen Augen. Der war nun nach ihres Vaters Willen ihr lieber Geselle und Gemahl. Da erzählte er ihr, dass er von einer bösen Hexe verwünscht worden war, und niemand ihn aus dem Brunnen erlösen hätte können, als sie allein.12

Gedanken zum Märchen

  • Sich alles im Leben verdienen zu können, wenn man nur tüchtig genug ist, ist im Narrativ des „American Dream“ gut zusammengefasst und erzählt etwas moderner, was den Froschkönig treibt.
  • Endlich ist die Königstochter patschert genug, dass der Frosch sich als Retter und damit als verdienter Liebhaber ins Spiel bringen kann.
  • Freilich bleibt er glitschig und ekelhaft dabei – und erreicht in seinem Zerrbild das, was er eigentlich will, niemals wirklich.
  • Da hilft auch das moralische Gewissen der Prinzessin (in der Mahnung des Vaters) nichts.
  • Ein Link zu diesem Märchen, den ich in der sogenannten Wirtschaftswelt oft erlebe, ist der Versuch, Mitarbeiter*Innen über Abhängigkeiten zu führen.
  • Aber nicht nur dort! Wie oft hören wir Formulierungen wie: „Nach all dem, was ich für dich getan habe… “
  • Wenn wir unsere Mitarbeiter*innen emotional erpressen, werden wir glitschig und ekelhaft für sie sein.
  • Wieder aber soll nicht der moralische Apell „So etwas tut man nicht mit Mitmenschen“ im Vordergrund stehen, sondern das Erlebnis, dass wir das, was wir uns innerlich so sehnlich an Beziehungswahrhaftigkeit wünschen, nicht erpressen, sondern nur geschenkt bekommen können.

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